Die portugiesische Malerin Paula Rego ist verstorben, eine der im In- und Ausland größten Vertreterinnen der Malerei Portugals. Rego lebte seit beinahe 50 Jahren in England; ihr internationales Werk ist in einem ihr gewidmeten Museum in Cascais ausgestellt: Die ‘Casa das Histórias’ (http://www.casadashistoriaspaularego.com) ist ein Bauwerk des Architekten Eduardo Souto de Moura. Paula Regos kreatives Schaffen erstreckt sich über die ganze Welt, wobei Portugal und England als Hauptpfeiler einer gelebten und sich ständig verändernden Karriere hervorstechen.
 
Maria Paula Figueroa Rego, so ihr vollständiger Name, wurde am 26.Januar 1935 in Lissabon in einer gut situierten Familie geboren. Ihre Eltern gingen im Jahr 1936, nach England, um dort zu arbeiten, während Tochter Paula in der Obhut ihrer Großmutter aufwuchs und die damals einzige englischsprachige Schule auf portugiesischem Boden, die St. Julian's School in Lissabon, besuchte. Die Schule, die sehr anglikanisch geprägt war, stand im Gegensatz zum traditionellen portugiesischen Katholizismus, der in jenen Jahren in der Bildung und Erziehung allgegenwärtig war. Die Schule sowie die traditionellen Geschichten, die sie im Haus der Großmutter hörte, wurden zu einem wichtigen Faktor für Paula Regos menschliche und kulturelle Entwicklung.
Das Foto: zeigt “Kinder und ihre Geschichten” (1989) aus einer Serie von Werken, die im Museu Paula Rego (Casa das Histórias) in Cascais hängen, sowie aus anderen Sammlungen: “Die Dienstmädchen” (1987) und ihr “Selbstbildnis in Rot” (1962).
Im Alter von 16 Jahren folgte Paula ihren Eltern nach England und besuchte von 1952 bis 1956 nach einigen Zwischen-Stationen die Slade School of Fine Art. Dort lernte sie ihren späteren Ehemann, den Maler Victor Willing, kennen, mit dem sie 1957 nach Portugal zurückkehrte. Das Paar teilte in den folgenden Jahren sein Leben zwischen Portugal und England auf, bevor sie 1975 endgültig in London blieben und erst wieder ab 1988 zwischen beiden Ländern pendelten. Paula Rego widmete sich in ihren Arbeiten vor allem sozialen Thema und Betrachtungen der Rolle der Frau in der Gesellschaft.
Ihr abstrakter Stil auf der Leinwand ruft gelegentlich eine besondere sensorische Mystik hervor. Schon während ihres Studiums schuf sie eine Reihe von großformatigen Wandgemälden, die die Kantine für die Arbeiter der Fabrik ihres Vaters schmückten. Offiziell begann ihre Karriere 1962, als sie einige ihrer Werke gemeinsam mit “The London Group” ausstellte. Zu dieser Künstler-Vereinigung gehörten bekannte Persönlichkeiten aus der Kunstszene wie David Hockney, Lucian Freud, Frank Auerbach und Craigie Aitchinson.
 
1965 wurde Rego als eine von sechs Künstlern für eine Gruppen-Ausstellung des Institute of Contemporary Arts (ICA) ausgewählt und hatte ihre erste Einzelausstellung in der ‘Sociedade Nacional de Belas Artes’ (SNBA) in Lissabon. Die Bekanntheit war in Portugal bereits so groß, dass sie ihr Geburtsland 1969 auf der Internationalen Kunstbiennale in São Paulo vertreten konnte. In jenen Jahren wurde der Einfluss des Surrealismus auf Regos Werk deutlich, hervorgerufen insbesondere durch die Arbeiten des Spaniers Joan Miró. Dies zeigt sich in ihrer Bildsprache und in der gesamten künstlerischen Gestaltung. Und die Grundlagen, die sie in ihrer künstlerischen Ausbildung erworben hatte, führten sie zu Szenarien, in denen sie düstere und abstrakte Szenarien malte.
 
Inzwischen war Rego zu einer erfolgreichen und kreativen Künstlerin geworden, die unter anderem in der Stiftung Calouste Gulbenkian und der Londoner Serpentine Gallery ausstellte (beide 1988), in der National Gallery (1991) und der Tate Britain (2004). 1990 wurde sie als Artist-in-Residence die erste assoziierte Künstlerin der National Gallery. In dieser Zeit entstanden zwei Werk-Serien: die erste betraf Gemälde, die sich mit Kinderliedern befassten, die zweite war von den großformatigen Gemälden des italienischen Renaissance-Künstlers Carlo Crivelli inspiriert.
Neben Portugal und England als künstlerische Zentren war auch das ‘Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia’ in Madrid Ausstellungsort für die Künstlerin und auf der anderen Seite des Atlantiks wurde sie in das National Museum of Women in the Arts in Washington, D.C. und das Marlborough Chelsea in New York geholt. Weitere Ausstellungsorte waren die École Superiéure des Beaux-Arts im französischen Nimes, das Museum für zeitgenössische Kunst in Monterrey in Mexiko und die Pinacoteca de São Paulo in Brasilien.
Ein großer Teil ihres Werks thematisiert zudem die traditionelle Folklore und die Märchen und Fabeln, die sie als Kind kennengelernt hatte. Dabei kontrastiert sie das Neue mit dem Alten und bringt Mensch und Tier zusammen. Dieser Schwerpunkt wurde vor allem ab den 1990er Jahren gesetzt, in einer eher nostalgischen und nachdenklichen Phase. Ein weiterer künstlerischer Einfluss, der in Regos Schaffen einfloss, waren die Bilder des Spaniers Diego Velázquez, vor allem in Bezug auf seine Herangehensweise an Materie und räumliche Erforschung der Darstellung von Form und Figur.
 
Mit ihrem umfangreichen Repertoire, das die Entfaltung und Fantasiefülle ihrer Persönlichkeit darstellt, hat Paula Rego die renommiertesten Museen der Welt mit ihren Werken gefüllt. Ihre große Sensibilität erlaubte es ihr, die Gesellschaft zu studieren und eine Vielfalt von Ausdrucks-Formen sowie Zeichen- und Farbtechniken zu verwenden. Damit überzeugte sie auch akademische Institutionen und erhielt die Ehrendoktorwürde der Winchester School of Art, der Universität Oxford und der Rhode Island School of Design. Der Höhepunkt ihrer Auszeichnungen kam jedoch 2004, als sie den Zivilverdienstorden ‘Grã-Cruz da Ordem de Sant’Iago da Espada’ erhielt und schließlich im Jahr zur Dame of the British Empire ernannt wurde.
Einige Elemente ihres Spätwerks sahen sich allerdings dem Vorwurf ausgesetzt, Tendenzen der Mode und des Zeitgeistes zu folgen und allzu plakative Betroffenheits-Darstellung zu üben.
Nach kurzer Krankheit ist die Malerin Paula Rego am 8. Juni 87-jährig in London gestorben. Text: Henrietta Bilawer