Die UNESCO hat den 5. Mai zum ??????? ??? ??????????????? ??????? erklärt, der nun zum zweiten Mal begangen wird. Dazu gab es in allen portugiesisch-sprachigen Ländern zahlreiche Veranstaltungen, teils online, teils vor Publikum. Portugiesisch steht auf Rang neun der Liste der meistgesprochenen Sprachen der Welt (nach Russisch und vor Indonesisch) mit rund 228 Millionen Muttersprachlern. Eigentlich wäre der 27. Juni ein gutes Datum, um die "Geburt" des Portugiesischen zu markieren, was natürlich ebenso willkürlich wäre wie jedes andere Datum, denn Sprachen sind flexibel, ihre Entstehung fließend. Ein bestimmter Dialekt wird in einer Besiedelung gesprochen und entwickelt sich weiter, wobei Sprachen immer dann eine Fixierung erfahren, wenn sie verschriftlicht werden. Das galt zum Beispiel für Papyrus-Aufzeichnungen ebenso wie für Bibel-Abschriften aus Klöstern und fand mit der Erfindung des Buchdrucks eine besondere Intensivierung. Genau genommen, gilt das bis heute, denn selbst die Smilies, Sticker usw., die in den sozialen Netzwerken zum Einsatz kommen, aber auch die im Internet gängigen Abkürzungen, haben ja als Symbole selbst schon den Charakter einer Zeichensprache mit einem gewissen Eigenleben. Doch Sprache an sich ist etwas anderes, nämlich ein System zur Kommunikation sowie für kommunikative Verhaltensweisen, damit der Eine verstehe, was der Andere will. Das war auch sehr wichtig für den portugiesischen König D.Afonso II, der an dem genannten 27.Juni des Jahres 1214 in Coimbra sein Testament verfasste.

Dieses Schriftstück gilt als das älteste, komplett in portugiesischer Sprache verfasste Dokument und zeigt, wie wichtig dem Monarchen das Idiom war, das von den Menschen gesprochen wurde. Denn Dokumente wurden damals in Latein abgefasst oder in einer Sprache, die verallgemeinernd als Spanisch bezeichnet werden kann. Dies änderte sich erst in der Zeit des Königs D.Dinis (1279–1325), der zum bekanntesten Dichter der in Galizisch-Portugiesisch verfassten und vorgetragenen Poesie seiner Zeit wurde. Zudem nutzte König D.Dinis Latein nicht mehr als Amtssprache. Mit der Einrichtung des Königshofs als politisches Zentrum in Lissabon emanzipierte sich Portugiesisch immer mehr vom Galizischen (bis 1256 war Coimbra die Landeshauptstadt). Der Ursprung des Portugiesischen ist Latein, das durch die römische Besiedelung auf die Iberische Halbinsel gelangte und im Alltag zu einem Misch-Idiom verschliffen wurde, in dem lokale Dialekte und Latein zu Vulgärlatein wurde. ‘Vulgär’ ist dabei nicht abfällig gemeint, sondern bedeutet ‘zum Volk gehörig’, also allgemein verbreitet, eben so etwas wie ‘Volkslatein’. Lokal bereits vorhandene Sprechweisen wurden zu neulateinischen Sprachen wie das Katalanische, das Kastilische und das Galizisch-Portugiesische, aus denen der als Romanisch bekannte Sprachzweig entstanden ist, zu dem das Portugiesische gehört (streng genommen, war König Afonsos letzter Wille in Galizisch-Portugiesisch geschrieben). Mit den germanischen und arabischen Invasionen erfuhren die lokalen Idiome erneut Veränderungen, wobei sich die Sprache dieser Invasoren nie vollständig durchsetzte. Erst im 11.Jahrhundert, als sich Christen auf der Iberischen Halbinsel niederließen, begann man in dem Gebiet, das heute Portugal und Teilen Galiciens entspricht, Galizisch-Portugiesisch zu sprechen.

Mitte des 14.Jahrhunderts traten die Dialekte aus dem Süden des Landes stärker in den Vordergrund und veränderten die Sprache erneut: Die Unterschiede zwischen Galizisch und Portugiesisch bildeten sich klarer heraus. Portugiesisch ist die konservativste der Westromanischen Sprachen geblieben und kommt in Wortschatz, Ausdruck und Satzbau dem Lateinischen näher als Katalanisch und Kastilisch. Die sprachliche Trennung wurde auch durch die politische Autonomie Portugals akzentuiert, die sich im folgenden Jahrhundert noch weiter verstärkte – nicht zuletzt durch die Entdeckungsfahrten. Mit ihnen gelangte die portugiesische Sprache nach Afrika, Asien und Amerika und ließ neue kreolische Dialekte entstehen, die noch heute verwendet werden. Auch neuzeitliche Migrationsströme haben zur Verbreitung des Portugiesischen beigetragen, sodass Emigranten ihre Muttersprache auch in Europa verbreiteten: In Frankreich leben eine dreiviertel Million Portugiesen und ihre Nachfahren, die die Sprache pflegen, ebenso in Luxemburg, der Schweiz, in Deutschland, Belgien, Andorra, aber auch in Südafrika, Kanada, den USA, Paraguay, Venezuela, Uruguay, auf Jamaika, Antigua und Barbados, in Surinam und in Indonesien. Das Portugiesische ist, wie alle lebenden Sprachen, nie statisch und befindet sich in ständiger Veränderung, je nach gesprochenem Dialekt und mit der Einführung neuer Begriffe, die hauptsächlich mit der Technik und Anglizismen zusammenhängen. Diese Evolution von Sprachen ist immer etwas Positives, denn sie zeigt, dass sie immer noch gesprochen werden und Relevanz im Leben der Menschen haben. Das erfordert gleichzeitig einen sehr bewussten und vor allem zurückhaltenden Einfluss auf die Sprache durch nicht natürlich entstandene, willkürlich eingeführte Änderungen. Das wird auch durch einen Antrag deutlich, den eine Initiativgruppe bereits von zwei Jahren an das portugiesische Parlament gestellt hat. Ziel ist die Aufhebung zumindest jener Teile der in Portugal 2008 in Kraft getretenen Rechtschreibreform (‘Acordo Ortográfico), die nicht von allen portugiesisch-sprachigen Ländern ratifiziert wurden. Aus formaljuristischen Gründen hat sich das Parlament bis heute nicht mit dem Antrag befasst; in diesem Jahr ist die Diskussion aber wieder neu entflammt.

P.S.: Das königliche Testament von 1214 ist zwar das erste, gänzlich in portugiesischer Sprache verfasste Dokument. Einen Satz auf Portugiesisch gab es aber schon vierzig Jahre vorher. Auf einem vermutlich von einem frühen Buchhalter stammenden Dokument, das ansosnten komplett auf Latein geschrieben ist, befand sich eine kleine Namensliste und der galizisch-portugiesische Schluss-Satz: "Istos fiadores atan .v. annos que se partia de isto male que li avem." Danke für den Text an Henrietta Bilawer/in Facebook