Portugals schwieriges Gedenken an den transatlantischen Sklavenhandel Portugal gilt als erste globale Kolonialmacht Europas und damit als Pionier des transatlantischen Sklavenhandels. Immer mehr Portugiesen mit afrikanischen Wurzeln fordern eine Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels. Lesen sie den Artikel der DW Deutschen Welle:

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Die Fotos zeigen den ehemaligen Sklavenmarkt in Lagos, seit 2016 ein Museum, in dem diese gesamte Historie (u.a. mit interaktiven Medien) sehr plastisch und informativ dargestellt wird. Es ist belegt, dass die ersten Sklaven an dieser Stelle in Jahr 1444 verkauft wurden; damit war dies vermutlich der erste Sklavenmarkt in Europa.
 
Abschaffung der Sklaverei
Am 27. Februar 1869 wurde im Gesetzblatt des Königreichs Portugal ein Erlass des Regenten D.Luís veröffentlicht, mit dem die Sklaverei in “allen Territorien der portugiesischen Monarchie mit sofortiger Wirkung” abgeschafft wurde. Es hieß in dem Dekret, “ausnahmslos alle Personen beiderlei Geschlechts, die sich an diesem Tag im Zustand der Sklaverei befinden, werden frei und genießen alle Rechte und unterliegen allen Pflichten, die den Freigelassenen gewährt bzw. auferlegt wurden.”
Dies war der letzte Meilenstein zur Abschaffung der Sklaverei in Portugal; andere Maßnahmen waren vorausgegangen: Bereits am 19. September 1761 verbot der Marquês de Pombal (der von König D. José I. mit generellen Vollmachten eingesetzte Staatslenker) den Transport von Sklaven aus Afrika nach Portugal. Wenige Jahre später, am 16. Januar 1773 wurden die in Portugal lebenden schwarzen Sklaven per Gesetz als mündig erklärt. Der Sklavenhandel im Mutterland wurde verboten, die Praxis der Sklavenhaltung setzte sich jedoch fort – allerdings wurden Sklavenhändler nun auch strafrechtlich verfolgt.
 
Gesellschaftliche Veränderungen in ganz Europa manifestierten sich im 19. Jahrhundert auch in Portugal, sodass die Beteiligung des Landes am internationalen Sklavenhandel allmählich aufhörte. Schließlich wurden 1854 alle Sklaven befreit, die sich im Besitz der portugiesischen Regierung befanden. Zwei Jahre später folgte die Freiheit für alle Sklaven im Besitz von Städten, religiösen Organisationen und Kirchen. Kinder, die von einer als Sklavin gehaltenen Mutter geboren worden waren, erhielten Bürgerrechte.
Es wäre aber falsch zu glauben, dass für diese Menschen sogleich ein gerechtes und freiheitliches Leben begonnen hätte. Die ehemaligen Sklaven waren nach der Freilassung ihrem Schicksal überlassen. Kaum einer von ihnen fand ein Stück Land oder eine Arbeit, um sich selbst zu versorgen. Sie verelendeten, denn die Gesellschaft zeigte lange Zeit weder politische noch humane Bereitschaft, die ehemaligen Sklaven als Bürger zu integrieren. Dies galt insbesondere in den Kolonien.
Die Gesetze zur Abschaffung der Sklaverei wurden nicht nur positiv bewertet; das gilt für alle Schichten der Bevölkerung. Schließlich war die Sklaverei während der portugiesischen Expansion eine Quelle des Reichtums. Sklaven waren über Jahrhunderte in vielen Bereichen als Arbeitskräfte eingesetzt worden, ohne dass man sie hätte entlohnen müssen. Das änderte sich mit ihrer Freilassung. Gleichzeitig argwöhnten die Menschen am unteren Rand der Gesellschaft, die Freigelassenen könnten Tagelöhnern und Handwerkern Konkurrenz bei der Suche nach Arbeit machen.
 
Auch die Kirche indoktrinierte die Gläubigen: Der Mensch sei schließlich nach dem Ebenbild Gottes geschaffen worden und so galt es als Blasphemie, wenn ein Sklave (auch ein ehemaliger) mit den übrigen Menschen gleichgesetzt würde. Inmitten dieser Weltsicht kann der königliche Erlass von vor 150 Jahren als wichtiger Schritt verstanden werden, der die Bürger zwang, den Gesetzen zu folgen und auf diese Weise allmählich eine neue Mentalität zu entwickeln. Text und Fotos von Henrietta Bilawer/Facebook