Fast auf den Tag genau vor 38 Jahren erschien einer der umstrittensten Romane der portugiesischen Literatur: ‘Das Memorial’ (O Memorial do Convento) des späteren Literatur-Nobelpreisträgers José Saramago. Das Buch gehört zu den weltweit am meisten gelesenen Werken aus Portugal, trotz seiner nicht ganz leicht lesbaren Perspektiv-Sprünge und Satzkonstruktionen. Nun machen die Städte Lissabon, Loures gemeinsam das Buch zum Kompass eines literarischen Spaziergangs, der ‘Rota Memorial do Convento’
Die Route folgt der Erzählung Saramagos, verbindet historische und landschaftliche Denkmäler des 18.Jahrhunderts zwischen Lissabon und Mafra und Stätten von Interesse für das Kulturerbe (in Sacavém, Santo António dos Cavaleiros, Unhos, Santo Antão do Tojal, Fanhões, Malveira, Mafra und Cheleiros) und Stätten der Geschichte. Sie gehören untrennbar zum Thema und zum Ambiente der Erzählung von José Saramago über den Klosterbau und zu den Menschen, die der Autor porträtiert hat.
 
Der Ausflug verläuft entlang architektonischer und historischer Marksteine in Lissabon von der Praça do Comércio bis zur ‘Casa dos Bicos’, dem Sitz der Kulturstiftung ‘Fundação José Saramago’, weiter durch den Erzbischöflichen Palast in Santo Antão do Tojal (Loures) und schließlich durch den Palast und das Kloster Mafra.
 
Die epische Geschichte des ‘Convento de Mafra’ wird auf dem originellen literarischen und kulturellen Rundgangs ebenso lebendig, wie die Figuren von Blimunda und Baltasar, der utopische Traum vom Fliegen des Jesuitenpaters und Erfinders Bartolomeu de Gusmão, der 1709 ein Luftschiff idealisierte und baute, der Hof von König D.João V., die monumentale und opferreiche Arbeit am Bau des Palastes von Mafra, der mit dem Gold aus der Kolonie Brasilien finanziert wurde, das Leben der Arbeiter und die Hingabe an die Musik Domenico Scarlattis.
Auch, wer das Buch von Saramago nicht kennt, wird auf diesem Rundweg viel Neues über Portugal lernen. Einbezogen werden örtliche Museen, Gemeindezentren u.v.m., die den Ausflug dokumentarisch unterstützen und mit thematisch verbundenen Kultur-Programmen, Theater und Musik begleiten.
Text und Bild von Henrietta Bilawer