Unser PHG Mitglied, Bettina Haskamp, hat gerade unter dem Pseudonym Carolina Conrad ihren dritten Kriminalroman auf den Markt gebracht und wir wollen es nicht versäumen die PHG Mitglieder über diese Neuerscheinung zu informieren. Dr. Peter Koj hat zu diesem Zweck eine kurze Rezension erstellt (Buch des Monats Juni 2020), die wir hier abdrucken:

 

Anabela Silva … zum dritten Mal

Sie kennen Anabela Silva noch nicht? Na, dann wird es aber höchste Zeit. Die sympathische Journalistin aus Hannover besucht in dem 2018 erschienenen Kriminalroman Mord an der Algarve (unser Buch des Monats Juni 2018) ihre Eltern in einem kleinen Dorf in der Nähe von Alcoutim (Ostalgarve). Aufgrund ihrer Zweisprachigkeit kann sie sich als Dolmetscherin und Übersetzerin bei der Aufklärung eines Mordes einbringen. Im zweiten Band, Letzte Spur Algarve (unser Buch des Monats April 2019), erweist sich aufgrund der Demenz ihres Vaters ihre Anwesenheit im Dorf als notwendig. Anabela kehrt nicht nach Hannover zurück, sondern bleibt in Portugal. Ihre schon im ersten Band immer wieder zum Vorschein kommende und von den polizeilichen Ermittlern gerügte investigative Ader wird nunmehr von Chefinspektor João Almeida im Rahmen eines Deals – streng vertraulich, natürlich – in Anspruch genommen.

Auch in Tödliche Algarve wird Anabela durch ihre Übersetzertätigkeit in einen Mordfall hineingezogen. Wohl gemerkt: nicht durch die Intimität zu João Almeida, mit dem sie inzwischen weit mehr als Sympathie verbindet Er hält Anabela, soweit es geht, aus den Ermittlungen heraus und das investigative Naturtalent Anabela weiß sich inzwischen auf die Lippen zu beißen, selbst wenn sie viel richtiger liegt als die Profis. Der besondere Reiz dieser dritten Folge besteht nun darin, dass die Aufklärung des Mordes an zwei jungen Wanderern nicht Anabelas Ermittlungen zu verdanken ist, wie der Untertitel suggeriert, sondern eher einem Zufall. Umso bedrohlicher und für die Leserschaft spannender und dramatischer entwickelt sich das Finale, das jedem/r Autor/in eines Tatort TV-Krimis zur Ehre gereichen würde.

Hinter dem Pseudonym Carolina Conrad verbirgt sich Buchautorin und PHG-Mitglied Bettina Haskamp. Die Wahl des Wanderwegs Via Algarviana als Tatort der dritten Folge der Anabela Silva-Reihe koinzidiert zwar mit der fast zeitgleich erscheinenden Portugal-Post 67, einem Themenheft zum „Wandern in Portugal“, in dem die Via Algarviana eine große Rolle spielt. Ich darf jedoch schon im Voraus beruhigen: Alle, die nach Lektüre dieses Heftes schon die Wanderschuhe einpacken und – je nach Corona-Verlauf  – vielleicht im nächsten Jahr wieder in Portugal auspacken, werden sich von ihren Wanderplänen durch den vorliegenden Roman nicht abhalten lassen. Im Gegenteil: Er vermittelt eine Menge zusätzliche Information zu diesem beliebten Wanderweg, z.B. über den Streit um die Streckenführung (ab S. 130). Und auch sonst erfreuen – wie schon in den beiden ersten Bänden – die profunden landeskundlichen sowie politischen und zeitgeschichtlichen Kenntnisse der seit einer Reihe von Jahren in Portugal ansässigen Autorin (z.B. zum Thema „Rechtsextremismus in Portugal“).

 

Dieser dritte Band mit Anabela Silva als Protagonistin scheint mir ganz besonders gelungen zu sein. Er wirkt in Thematik und Handlungsablauf sehr geschlossen und steigert geschickt Tempo und Spannung. Das verdankt er vor allem einem ständigen Perspektivwechsel: Die aus der Sicht der Autorin, d.h. in der 3. Person erzählte Haupthandlung wird durch Kapitel abgelöst, in denen Anabela Silva in der 1. Person zu Wort kommt. Das treibt die Handlung nicht nur voran. Dadurch dass die kess-schnoddrige Anabela hier ihrem Temperament freien Lauf lassen kann, verschafft sie uns ein gesteigertes Lesevergnügen. Ein großer Wurf.

 

Carolina Conrad, Tödliche Algarve. Anabela Silva ermittelt  Rowohlt Taschenbuch Verlag. Reinbek bei Hamburg 2020 € 9,99