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Mit einem Lied ohne Verstärkung begann Mariza ihr diesjähriges Konzert in der ausverkauften Elbphilharmonie und zeigte damit, dass eine starke Stimme auch in einem großen Saal ohne Mikrofon auskommen kann. Besonders die beiden Gitarren (viola und guitarra portuguesa) klangen in diesem Stück ausgewogener und runder als in den späteren elektrisch verstärkten Stücken. Von Anfang an zog die Künstlerin mit ihrer starken Bühnenpräsenz das Publikum in ihren Bann und versäumte es dabei nicht auch die etwas benachteiligten Konzertbesucher auf den Rängen hinter der Bühne mit kleinen Scherzen aufzumuntern: Während eines Stückes wandte sie sich an eben diese Zuschauer und bedauerte, dass sie ihnen bisher überwiegend ihren Rücken hätte zeigen müssen. Jetzt wüssten sie aber, weshalb sie ihr sehr besonderes (am Rücken tief ausgeschnittenes) Kleid trage. Es war allerdings auch absoluter „Hingucker“.

In ihrem Repertoire setzte die Künstlerin auf eine Mischung zwischen bekannteren Fados (Barco Negro, Rosa Branca) und Stücken aus anderen Genres (z.B. Morna). Dabei wurden alle Lieder im typischen Mariza-Stil interpretiert und nie im traditionellen Fado-Stil vorgetragen. Dies wird auch durch die Instrumentierung deutlich: Neben der klassischen Besetzung (guitarra portuguesa, viola, viola baixo) kamen zeitweise auch ein Akkordeon und ein Schlagzeug zum Einsatz. Für Fado-Puristen gewöhnungsbedürftig, gleichzeitig aber ein Hinweis darauf, in welche Richtung sich die Fado-Musik in der Zukunft entwickeln könnte. Liebhaber dieser Musikrichtung könnten beklagen, dass der Fado mit einer Internationalisierung und Integration verschiedener Stilelemente seinen typischen Charakter, seine Unverwechselbarkeit verliere. Andererseits haben jüngere Interpreten mit ihrer Öffnung zu Chanson-, Folklore- Pop- und Jazz-Elementen maßgeblich zu einer Wiederbelebung der Fadokultur und neuer Attraktivität für jüngere Menschen in Portugal und der Welt beigetragen. Zu diesen Interpreten zählt mit Sicherheit Mariza.

Das werden wohl auch die recht zahlreich anwesenden Portugiesen so sehen, deren Herzen Mariza mit dem letzten Lied ihrer drei Zugaben A gente da minha terra stark berühren konnte.

Gerd Jückstock

Mariza in der Elbphilharmonie, Foto: Gerd Jückstock