2015 erschien in Portugal das Buch Caderno de Memórias Coloniais. Hier schildert die Autorin in großer Offenheit ihre Erlebnisse als Kind weißer Eltern in im mosambikanischen Maputo (damals noch Lourenço Marques). Mit seiner prononciert antikolonialistischen Einstellung sorgte das Buch in Portugal für Aufruhr und Empörung, insbesondere unter den retornados, den nach der Unabhängigkeit Mozambiks (1975) ins portugiesische Mutterland zurückgekehrten Weißen. Der Weidle Verlag hat nun das Werk unter dem Titel Roter Staub. Mosambik am Ende der Kolonialzeit in der deutschen Übersetzung von Markus Sahr herausgebracht (Unser Buch des Monats Januar 2020). Auf ihrer Präsentationstour durch verschiedene deutsche Städte machten Autorin und Übersetzer am 29. November in Hamburg Halt. Die Buchhandlung Lesesaal im Stadtpalais, dem ehemaligen GESTAPO-Gebäude an der Stadthausbrücke, bot dazu den passenden Rahmen. Im Mai 2018 wurde diese Buchhandlung mit einer Lesung unserer Übersetzerinnen Barbara Mesquita und Maralde Meyer-Minnemann eröffnet (wir berichteten in der Info-Post 20).

Dieses Mal machte eine eher überschaubare Zuhörerschaft, darunter Dr. Ana Maria Delgado, Leiterin des Instituto Camões an der Universität Hamburg und der portugiesische Generalkonsul Luís Cunha, es sich in dem dazugehörigen Café bequem. Weniger bequem waren einzelne Passagen, die von Isabela Figueiredo im portugiesischen Original und Markus Sahr in seiner deutschen Übersetzung vorgetragen wurden. Sie offenbarten die menschenverachtende Arroganz der weißen Herrscher, aber auch die Grausamkeit der schwarzen Bevölkerung nach Erlangung der Unabhängigkeit. Von erfrischender Offenheit beantwortete Isabela Figueiredo auch die zahlreichen Fragen des Publikums. Darin ging es vor allem um den Zwiespalt, in den die 12jährige Isabela geriet, als sie die Eltern in Mosambik zurückließ und mehr und mehr erkennen musste, dass der von ihr so geliebte Vater, selbst wenn er als Elektriker nicht zu der arroganten weißen Oberschicht gehörte, doch im Grunde genauso rassistisch fühlte und dachte wie diese. Maralde Meyer-Minnemann leistete dabei Großartiges, als sie die längeren und teilweise sehr emotionalen Äußerungen der Autorin für die des Portugiesischen nicht mächtige Zuhörerschaft eins zu eins zu dolmetschen. Ein beeindruckender Abend.       

Markus Sahr, der Übersetzer des Buches (r.), Isabela Figueiredo (m), Maralde Meyer-Minnemann und die Gastgeberin des Lesesaals, S.Krawehl,  bei ihrer Begrüßung. Foto: Claus Bunk

Isabela Figueiredo (m), Luís Cunha (portugiesischer Generalkonsul in Hamburg) (l.),  Dr. Ana Maria Delgado (r.) im Hintergrund Maralde Meyer-Minnemann und außen weitere Gäste der Buchvorstellung.

 

 

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