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Am Mittwoch den 3. April 2019 fand in den Räumen der Buchhandlung Kortes in Blankenese eine Lesung  unter dem Titel "Brasilien, quo vadis?" statt. Die Übersetzerinnen und PHG-Mitglieder  Maralde Meyer-Minnemann und Karin von Schweder-Schreiner lasen aus  der von ihnen übersetzten brasilianischen Literatur. Die dritte Übersetzerin, Barbara Mesquita, war verhindert und wurde von Ihnen würdig vertreten. 

Die von unserer Gesellschaft organisierte und von Peter Koj moderierte Lesung in Blankeneses renommierter Buchhandlung war mit 30 Zuhörern und Zuhörerinnen gut besucht. Die in dem Titel der Veranstaltung ausgedrückte bange Frage nach Brasiliens Zukunft, ausgelöst durch die Wahl des Rechtspopulisten Jair Bolsonaro zum brasilianischen Staatspräsidenten, sollte und konnte an diesem Abend natürlich nicht beatwortet werden. Unsere Hamburger Übersetzerinnen (Maralde Meyer-Minnemann, Karin von Schweder-Schreiner, Barbara Mesquita) hatten für die Lesung jedoch Auszüge aus Werken der von ihnen übersetzten brasilianischen Autoren ausgewählt, die die fast 20 Jahre währende brasilianische Diktatur (1966-1985) zum Thema haben.

Jair Bolsonaro hatte sich ja schon in seinem Wahlkampf offen zu dem Colonel Ustra und seinen Folterknechten bekannt. Das Thema Folterung und Verschwindenlassen von Andersdenkenden stand dann auch im Mittelpunkt des ersten Beitrags des Abends, Paulo Coelhos Roman Hippie. Der von Maralde Meyer-Minnemann übersetzte Kultautor ist zwar später seine eigenen esoterischen Wege gegangen, hat in seiner Jugend aber schmerzhaft Bekanntschaft mit Brasiliens Geheimpolizei und ihren Gefängnissen machen müssen. 

Im zweiten Teil des Abends stellte Karin von Schweder-Schreiner mit dem von ihr übersetzten Chico Buarque einen Musiker und Autor vor, der damals schon vor der Junta ins Ausland fliehen musste, nun aber schon wieder ins Fadenkreuz der neuen Machthabe geraten ist. Der von ihr vorgelesene Auszug stammte aus seinem Roman Mein deutscher Bruder, der zugleich ein interessantes Kapitel deutsch-brasilianischer Beziehungen darstellt. Das Werk war unser „Buch des Monats April 2016“ (Rezension von Peter Koj auf unserer Homepage, nachgedruckt in der Literaturbeilage der Portugal-Post 60).

Im dritten Teil stellte Maralde Meyer-Minnemann in Vertretung von Barbara Mesquita, die an dem Abend in Lissabon unabkömmlich war, die Erfolgsautorin Patrícia Melo und ihren neuesten Roman Der Nachbar vor. Patrícia Melo lebt schon seit einigen Jahren in der Schweiz. Ihre Romane firmieren zwar als Krimis, bieten aber ein schonungsloses Bild der modernen brasilianischen Gesellschaft, insbesondere in der Schilderung der Kriminalität und Grausamkeit der Großstädte. Die Rezension des Buches findet sich auf unserer Homepage als „Buch des Monats Februar 2019“.         

Foto: Maralde Meyer-Minnemann, Karin von Schweder-Schreiner und Peter Koj bei der Lesung (Foto:Claus Bunk)