Buchtipp des Monats Oktober 2013 (6)

Von Peter Koj

Jung, schräg und brasilianisch

Aus der Flut der rechtzeitig zur Frankfurter Buchmesse herausgekommenen Neuerscheinungen von Übersetzungen neuerer brasilianischer Literatur hat sich der A1 Verlag die Rechte zweier Autoren gesichert, die ungefähr gleich alt oder besser gesagt: jung sind und die beide, wenn auch auf unterschiedliche Weise, mit ihrer schrägen Schreibe auf unterhaltsame Weise amüsieren.

Da ist zuerst die 1977 in Novo Iguaçu bei Rio geborene Ana Paula Mota mit ihrem Roman Krieg der Bastarde (original: A guerra dos bastardos ). Hier geht es im wahrsten Sinne des Wortes rund. Alles dreht sich um eine Tasche Kokain, die Amadeu, ein mittelmäßiger Pornodarsteller, im Büro seines Chefs findet, der, nachdem er gerade einen Widersacher erschossen hat, selbst von einem Herzinfarkt hingerafft wird. Mit dem Erlös des Kokains will Amadeu seine Freundin, die Preisboxerin Gina Trevisan, von ihren Schulden befreien. Doch dazu kommt es leider nicht Stattdessen entwickelt sich eine burleske, kinoreife Handlung (der Roman wurde inzwischen auch verfilmt), die nur so von überraschenden Peripetien strotzt (Einfälle muss man haben!). Das Ganze ist zudem mit so viel Witz und Humor, aber auch einer gewissen Zärtlichkeit erzählt, dass man all das Blut und all das Gemetzel, das solch eine pulp fiction mit sich bringt, einfach ignoriert. Ein großer Spaß!

Ein Jahr später als die ehemalige Punk-Musikerin Ana Paula Mota wurde João Paulo Cuenca in Rio geboren. Er schreibt Romane und Theaterstücke und wurde im letzten Jahr von dem renommierten Literaturmagazin Granta auf die Liste der 20 besten jungen brasilianischen Autoren gewählt. Sein 2007 unter dem Titel O dia Mastroianni publiziertes Buch ist eine freche Abrechnung mit der Postmoderne, deren Klischees respektlos zerpflückt werden. Erzähler und Hauptfigur Pedro Casavas ist ein müder Dandy, der nicht wie ein Mastroianni, sondern eher wie ein Tom Cruise ( Eyes Wide Shut ) durch einen Tag voller Müßiggang und amouröser Abenteuer wankt. Der Reiz der Geschichte, den Michael Kegler in der deutschen Übersetzung sehr schön rübergebracht hat, liegt in den Verfremdungseffekten die z. B. durch die ständige Auseinandersetzung mit einer Stimme im off (ein Über-Ich? eine göttliche Macht?) entstehen (sie sind im Druck durch Großschreibung kenntlich gemacht), durch eingeschobene Geschichtchen ( Tomás' Traum , Die Geschichte von Françoise ) oder reflektierende Einschübe. Das Lesevergnügen wird in der deutschen Ausgabe noch gesteigert durch die Illustrationen von Christiano Menezes.

Ana Paula Maia, Krieg der Bastarde Aus dem brasilianischen Portugiesisch von Wanda Jacob. A1 Verlag München 2013 € 18,80

João Paulo, Mastroianni. Ein Tag Aus dem brasilianischen Portugiesisch von Michael Kegler. A1 Verlag München 2013 € 16,90