Buch des Monats - Januar 2012

Georg Franzky Cabral, Cozinhados e histórias. Gerichte und Geschichten. Ein Koch- und Lesebuch Albufeira 2011

Dr. Peter Koj  

Aus Portugals sonnigem Süden meldet sich unser Mitglied Georg Franzky Cabral mit einer hübschen kleinen Veröffentlichung zu Wort, die wir unseren Lesern gerne vorstellen. Portugals Küche hat nicht gerade den Ruf, sich durch Raffinesse und eine Vielfalt von Gerichten einen der vorderen Plätze in der Gourmet-Szene erobern zu wollen. Die portugiesische Küche ist eher bodenständig, gelegentlich auch sehr deftig und kann vor allem bei frisch zubereitetem Fisch punkten. Dessen ist sich auch der Verfasser bewusst und er weiß es richtig einzuordnen. So erfahren wir eine ganze Menge über die Essgewohnheiten der Portugiesen, aber auch über neuere Entwicklungen in der portugiesischen Gastronomie.

 

 

Im Mittelpunkt des Bändchens stehen die Rezepte einiger typischer portugiesischer Gerichte, sozusagen zur Nachahmung am heimischen Herd. Bei einigen gibt es Zusatzinformationen, z. T. in Form einer história , wie z. B. die Geschichte der im Ribatejo so beliebten sopa de pedra (Steinsuppe). Manchmal muss dann auch ein wenig spekuliert werden, wie bei der mysteriösen Jägerin auf S. 63 . Georg Franzky Cabral darf die Suche nach dieser Jägerin, deren Präsenz in dieser von Männern dominierten Aktivität in der Tat sehr überraschend wäre, gerne aufgeben. Es liegt einfach an einem fehlenden Akzent ( Coelho à Caçadora ). „Caçadora“ ist hier kein Substantiv sondern die weibliche Form von caçador (zur Jagd gehörig) und bezieht sich auf das Wort maneira (die Art und Weise): Coelho à maneira caçadora (d.h. „Kaninchen auf Jäger-Art“). So heißt das Gericht übrigens auch in Enrique Kastens Portugiesische Küche und Weine . Das maneira wird in entsprechenden portugiesischen Wendungen gerne ausgelassen, wie man auch an dem auf S. 66 vorgestellten Gericht Carne de porco à alentejana (Schweinefleisch auf Alentejo-Art) sehen kann. Abgerundet wird das Koch- und Lesebuch durch kleine Exkurse über portugiesische Weine, Olivenöl, Salz und Kräuter.

Georg Franzky Cabral ist als „Leisure Consultant Albufeira Resort“ für die Firma HAPIMAG ( www.hapimag.com ) tätig. Sein Koch- und Lesebuch ist entstanden im Rahmen dieser Tätigkeit und auf HAPIMAG-Mitglieder bezogen. Daher auch der persönliche Charakter mancher Äußerungen. Der Autor zeigt aber trotzdem gewisse Ambitionen, so wenn er von vornherein klarstellt, dass Algarve im Portugiesischen männlich ist und von ihm – im Gegensatz zu anderen Vertretern seiner Branche – daher im Deutschen auch mit männlichem Artikel gebraucht wird. Aber dann hätte er konsequenterweise die sehr viel weniger im Deutschen geläufigen portugiesischen Begriffe „die caldo verde “, „der lula “, „das carne de porco “, „die chouriço “ mit ihrem angestammten Artikel verwenden sollen. Und auch mit der Umsetzung der neuen deutschen Rechtschreibung hapert es, z. B. beim Ersetzen des „ß“ durch „ss“. Das geht leider nicht nach langen Vokalen oder Doppelvokalen. Die ständigen „Süssspeisen“, „grossen“ und „ass“ statt „aß“ sind schon störend.

Doch das mögen Beckmessereien eines pensionierten Sprachlehrers sein. Was ich sehr viel mehr bedaure ist die mangelnde Übereinstimmung von Fotos und Text. Ich hätte mir zu den Rezepten ein entsprechendes Foto zu des jeweiligen Gerichts gewünscht und nicht dessen Zutaten. Manche Fotos sind geradezu irreführend, so z. B. die Mandelteile auf S. 78, die nichts mit einer torta de amêndoas zu tun haben, außer den Mandeln natürlich. Trotzdem ein insgesamt empfehlenswerter Band, durch den Spiralenrücken problemlos umklappbar und damit gut einzusetzen bei der Kocherei. Bom apetite .

Das Buch kann bei HAPIMAG für € 16,- (incl. Porto) bestellt werden. Interessenten melden sich per E-Mail bei eb.albufeira@hapimag.com oder bestellen über den ESA-Bestellservice (Verlag Editurismo, EN 125, Parque Empresarial, Lote 3, 8400-431 Lagoa, Portugal).