Ladio Veron wurde vom Ältestenrat der Kaiowa ausgewählt, um hier in Europa die Menschen über die Situation seines Volkes zu informieren und um Solidarität mit ihrem Kampf um die Rückgabe ihres angestammten Landes zu werben. Am 2.5.2017 fand in den Räumen des Diakonischen Werkes, Hamburg eine Informationsveranstaltung mit ihm statt, die von der Gesellschaft für bedrohte Völker organisiert wurde.

                           Foto:  Eliane Fernandes

Die Kaiowa sind ein indigenes Volk im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso do Sul. Sie kämpfen seit vielen Jahren für die Rückgabe ihres Landes, das von großen landwirtschaftlichen Betrieben gerodet wurde und nun der Agroindustrie zum Anbau von Soja, Zuckerrohr und Eukalyptus dient. Neben der Tatsache, dass inzwischen mehrheitlich gen-manipuliertes Soja Saatgut eingesetzt wird, benutzt diese Industrie große Mengen von Pflanzengift für den Anbau. Da die Kaiowa oft gegen den Landraub protestieren, kommen ihre Kinder beim Abwurf der Gifte durch Flugzeuge immer wieder in Kontakt mit diesen Mitteln. Viele sind daran bereits gestorben oder schwer erkrankt.

Obwohl schon im Jahr 2002 den Kaiowa die Rückgabe eines Teiles ihrer Gebiete vom brasilianischen Staat zugesagt worden war, ist bis heute nichts geschehen. Die Rückgabe und Vermessung der Gebiete (die nur einen Bruchteil der früheren Siedlungsgebiete darstellen) wurde immer wieder verzögert. Heute, nach der Entmachtung der Präsidentin Dilma Rousseff und der Übernahme der Macht durch die alten weißen Männer um Präsident Temer, die eng mit den Agrarindustrieinteressen Brasiliens verbunden sind, sieht die Lage für das Volk der Kaiowa noch auswegloser aus.

Der Indigenenbehörde FUNAI wurden weitere Mittel und damit auch Mitarbeiter gekürzt. Staat und Privatmilizen der Farmer gehen gegen den Protest der Kaiowas vor und viele der Anführer des Kampfes für die Rückgabe des Landes wurden bereits auf brutale Weise ermordet. Auch nach 35 Jahren, seit der Zusage der Rückgabe des Landes, ist eine Lösung dieses Konfliktes nicht in Sicht, da  Politiker und Interessenverbände kein Interesse an einer gerechten Lösung haben. Die Kaiowa versuchen die Öffentlichkeit für ihren Kampf zu gewinnen und versuchen auch international Interesse hierfür zu wecken. Die Forderung "Demarcação já" (Vermessung und damit Rückgabe, sofort) ist gerechtfertigt. Wir hier in Europa denken, dass wir weit weg vom Geschehen sind, dabei fressen unsere Hühner, Rinder und Schweine täglich den gen-manipulierten Soja aus Mato Grosso do Sul.  Hier besteht die direkte Verbindung dazu, was man den Kaiowa antut.